Erdbeben in Venezuela: Die Erfahrung eines erfahrenen Retters nach Jahren internationaler Einsätze

Diesmal führen wir ein Interview mit Jorge Marín, der kürzlich auch bei der Katastrophe in Venezuela im Einsatz war. Jorge Marín, besser bekannt als "Tote", ist Koordinator für Verwaltung und Finanzen innerhalb der NGO. Wir führen ein sehr persönliches Interview mit ihm als erfahrenem Feuerwehrmann, der bereits bei vielen Katastrophen weltweit im Einsatz war.

"Jede Katastrophe ist anders, aber alle hinterlassen Spuren" Jorge Marín

Sie haben an mehreren internationalen Katastrophen teilgenommen. Was ist das Besondere an jeder einzelnen und was haben sie alle gemeinsam?

Jede Notlage hat ihren eigenen Kontext, ihre eigene Kultur, ihre eigene Organisationsform und ihre eigenen Schwierigkeiten.

Sie haben jedoch alle etwas gemeinsam: Hinter den eingestürzten Gebäuden warten immer Menschen auf eine Antwort, Familien suchen nach Nachrichten und Rettungsteams arbeiten unermüdlich.

Am Ende ändern sich die Schauplätze, aber nicht der Grund, warum wir dort sind.

 

Gibt es einen Einsatz in Venezuela oder eine andere Mission, an den Sie sich noch mit besonderer Intensität erinnern?

Was am längsten im Gedächtnis bleibt, sind selten konkrete Bilder, sondern die Menschen.

Man erinnert sich an einen Blick, eine Umarmung, ein Gespräch oder den Dank einer Person, die trotz des Verlusts fast allem noch die Kraft findet, Danke zu sagen.

Diese Momente begleiten einen wirklich lange.

 

Welche Eigenschaft halten Sie nach all den Rettungseinsätzen für unerlässlich, um in dieser Art von Notfällen zu arbeiten?

Demut.

Man muss wissen, dass man Teil eines Teams ist und dass niemand alleine rettet.

Es ist auch wichtig, ruhig zu bleiben, diszipliniert zu sein und dem Training zu vertrauen. Emotionen existieren, aber während eines Einsatzes müssen sie mit Professionalität koexistieren.

 

Was ist der größte Fehler, den Menschen machen, wenn sie sich vorstellen, wie ein Such- und Rettungsteam arbeitet?

Viele Leute denken, es gehe nur darum, zwischen den Trümmern herumzurennen.

Die Realität ist ganz anders.

Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, zu beobachten, zu planen, zuzuhören, Risiken zu analysieren und mit großer Präzision zu handeln. Manchmal wird ein Einsatz komplett gestoppt, weil wir versuchen, das leiseste Geräusch zu orten, oder weil die Sicherheit des Teams Vorrang hat.

Rettung erfordert Geduld, Methode und viel Koordination.

 

Was würden Sie nach allem, was Sie erlebt haben, jedem Menschen raten, wie wichtig es ist, auf einen Notfall vorbereitet zu sein?

Warten wir nicht, bis eine Katastrophe eintritt, um uns für Prävention zu interessieren.

Grundkenntnisse zu haben, ein kleines Notfallkit zu besitzen, zu wissen, wie man handelt, oder sich einfach zu informieren, kann einen enormen Unterschied machen, wenn etwas Unerwartetes passiert.

Prävention rettet genauso viele Leben wie Intervention.

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